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Erlebnisse : Wie ich einmal Schwarzfahrer wurde
Geschrieben von Administrator am 23.11.2005 23:51)

Peinlich, peinlich, wie so etwas passsieren kann

Wahrscheinlich gehören Sie wie ich zu den Menschen, die nicht stehlen und meistens ordentlich sind. Ich wurde trotzdem einmal ungewollt zum Schwarzfahrer. Doppelt peinlich, weil mein Vater bei dem Verkehrsbetrieb als Fahrer arbeitete, ein Nachbar Kontrolleur war und ich natürlich auch deren Probleme mit Schwarzfahrern kannte.

Die Geschichte ereignete sich im Frühjahr oder Sommer 1975. Ich hatte gerade meinen Wehrdeinst beendet. Während meiner Zeit bei der Bundeswehr war ich nur sehr selten zu Hause gewesen. Denn Panzerfahren kann auch Spaß machen - wenn gerade kein Krieg ist. Das Verstehen Sie vielleicht nicht, weil Sie noch nie in einem Panzer gessen haben, ganz unten, wo es ziemlich dunkel ist und Sie sehen nichts, wenn der Fahrer mit 60 km/h durch das Gelände brettert und es auf und ab geht wie auf der Kirmes. Auf der Kirmes müssen Sie allerdings für viel schlechtere Vergnügen teures Geld bezahlen, während es beim Bund damals umsonst war. Na, fast umsonst, den Wehrsold muss man auch berücksichtigen...

Ich war also erst seit einigen Monaten oder Wochen vom Bund zurück und fuhr damals mit der Bogestra nach Bochum-Querenburg. In der Nähe der Universität gab es einen kleinen, aber feinen Buchladen und ich wollte Bücher kaufen, die es wahrscheinlichnur dort gab. Ja, sowas gab es auch einmal, als es nich kein Internet und kein Amaz*** gab, wo man ja auch nicht jedes Buch bekommen kann.

Zur Rückfahrt stieg ich an der Universität wieder in die Straßenbahn ein. Und dann kam das Schicksal in Gestalt einer alten Bekannten. Ihren Namen habe ich längst vergessen, ich weiss nur noch das sie klein und bekannt für ihr loses Maul war, weil sie gerne viele redete und wir hatten uns oft gesehen, relativ gut gekannt, bevor ich den Wehrdienst leistete.

Und seitdem zwei Jahre nicht gesehen. Ich stieg hinten ein, sie nach mir und dann ging es los mit "Hallo, lange nicht gesehen!" - "Was machst du, was macht dein Mann?" "Hast Du noch Kontajkt zu...., kennst du noch..."

Bei dem Small Talk vergass ich wohl meine Fahrkarte abzustempeln.

Zwei oder drei Haltstellen später stieg ein Kontrolleur ein und wollte die Fahrausweise sehen. Ich griff in die Tasche, hielt ihm die Vierfahrtenkarte hin und dann meinte er, das wäre ganz nett, aber ich hätte nur die Hinfahrt und nicht die Rückfahrt abgestempelt. Ich sei also ein Schwarfahrer und es gäbe zwei Möglichkeiten. Ich könnte einen gewissen Betrag als Gebühr zahlen - ich glaube, das waren damals 20 DM. Ich könnte aber auch Eindrpuch einlegen, dann müsste er die Personalien aufnehmen. Ich habe ihn kurz erklärt, dass ich das Abstempeln wohl vergessen hatte, weil ich gerade die alte Bekannte wiedergetroffen hatte, aber das interessierte den Kontrolleur nicht sonderlich. Entweder oder.

Ich hab ihm dann die 20 DM gegeben, wofür ich eine schöne Quittung bekam, die ich heute leider nicht mehr habe, sonst würde ich sie eingerahmt an die Wand hängen. Einspruch einlegen hätte ja keinen Sinn gehabt und Personalien aufnehmen, nee, lieber nicht, wo doch mein Vater selbst bei derselben Gesellschaft arbeitete und nicht ist peinlichr, als wenn Kinder eines Mitarbeiters als Schwarzfahrer auffallen können - nicht für mich, aber für ihn.

Einige Jahre vorher als es noch Schaffner gab, wäre sowas sicher anders abgegangen. Da ging der Schaffner durch den Wagen und fragte "Noch jemand ohne Fahrkarte." Nun ja, liebe Verkehrsbetriebe, ihr wolltet PersonalundKosten sparen, habt die Schaffner abgeschafft und Euch damit die echten Schwarzfahrer aufgehalst.

Wie gut, dass einige Verkehrsbetriebe sogar lernen und eben die Bogestra auch den Schaffner wieder einführen will.

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