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Fotografie : Warum ich Busse und Eisenbahnen fotografiere
Geschrieben von Administrator am 23.11.2005 23:44)

Die Liebe zu Bussen und Bahnen begann im Kindesalter.

Ich bin 1954 geboren, also in einer Zeit , als die Lokomotiven noch rauchten. Als Kind bin ich mitten in einer Großstadt aufgewachsen, allerdings in einer Gegend, die damals noch sehr ländlich wirkte. Nur 3 bis 5 Minuten zu Fuß entfernt lag die Eisenbahnlinie von Bochum nach Dortmund, genauer gesagt, das Gleisdreick zwischen Bochum-Harpen und Bochum-Altenbochum, wo sich der Schienenstrang teilt und die nördliche Strecke Bochum und Dortmund und die südliche Bochum und Witten verbindet.

Und dort beobachtete ich schon begeistert als kleiner Junge die Eisenbahnen. Besonders interessant waren natürlich die schweren Güterzüge, die oft in Doppeltraktion bespannt waren und mit zwei Dampflokomotiven Kohle beförderten. Viele dieser Züge transportierten die Kohle, die auf der Zeche Robert Müser gewonnen und ins Saarland sowie nach Frankreich befördert wurden. Das war ein imposanter Anblick, den ich oft auch auf dem kurzen Schulweg von 10 Minuten genießen konnte, der entlang dieser Strecke führte.Unser Nachbar arbeitete als Hauer auf der Zeche Robert Müser, woher viele dieser Züge kamen und meine Großmutter und ihre Schwester lebten in Bochum-Laer und Bochum-Langendreer in der Nähe der Zeche. Wenn wir damals die Oma besuchten - meistens machte man den Weg zu Fuß - führte der Weg an den Gleisen mit den schönen Lokomotiven vorbei und wenn wir Omas Schwester besuchten, kamen wir immer an den Bergwergsanlagen von Robert Müser vorbei, wo man auch den Güterzugverkehr, das Rangieren und vieles mehr beoachten konnte. Leider war das damals alles so normal und alltäglich, dass niemand daran dachte, den Zugeverkehr und die Dampflokomotiven zu fotografieren.

1963 fuhr ich zusammen mit meiner Mutter und Schwester mit der Eisenbahn zu Onkel und Tante in Süddeutschland. Kurz danach hingen auf den Bahnhöfen Plakate der Deutschen Bundesbahn "Unsere Loks gewöhnen sich das Rauchen ab". Wir fuhren in zwei Zügen, die bereits mit elektrischen Lokomotiven bespannt waren, unterwegs begegneten uns noch einige Dampflokomotiven. Aber richtig glücklich war ich damals, als wir die letzte Strecke in das badische Dorf in einem kleinen Zug, der von einer Dampflok gezogen wurde, zurück legten.

Bis ungefähr 1958 arbeitete mein Vater auf der Kokerei der Zeche Dannenbaum in Bochum. Auf dem Zechengelände wurde anfang der 60er Jahre das Opel Werk I errichtet. Mein Vater arbeitete danach als Schaffner bei der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahn AG. Ungefähr 1964 machte er auch die Ausbildung als Straßenbahnfahrer und kurz danach wurde der Fahrbetrieb auf den Einmannbetrieb umgestellt.

So hatte ich auch oft die Gelegenheit, mitzufahren, wenn er schaffnerte oder als er bereits selbst fuhr. Familienausflüge an Sonntagen machten wir auch mit Bussen und Bahnen, denn damals gab es noch die Freifahrt für alle Familienmitglieder, die heute leider von einigen Verkehrsbetrieben abgeschaft worden ist. Das war immer spannend und interessant, denn zu anfang der 60er Jahre fuhren noch kleine zweichachsige Triebwagen solo oder mit Anhänger, der Fahrer drehte noch an der Kurbel und es gab sogar noch Zweichachser mit Anhänger.

Vater hatte natürlich auch immer viel interessante Dinge über den Arbeitsalltag zu erzählen und oft besuchte man Arbeitskollegen an den Wochenenden oder die Arbeitskollegen und ihre Familien kamen zu Besuch. Das war alles so normal, dass niemand an daran dachte, das alles zu fotografieren.

Im Frühjahr 1972 zogen wir um. Wir bezogen eine Werkswohnung der Bogestra, die in unmittelbarer Nähe des Betriebshofs Bochum-Gerthe und der dortigen Werkstatt der Bogestra lag. Dort hatte ich gelegentlich auch Einblicke in die Werkstatt.

Ein besonderes Interesse an Bussen und Bahnen hatte ich aber damals nicht. Ich stellte aber fest, dass sich die Welt änderte und es vieles nicht mehr gab, was mich als Kind begeistert hatte.

Bevor ich eine Auto hatte ging ich von unserer neuen Wohnung aus oft zu Fuß in die Stadt, wenn ich nicht mit dem Fahrrad fuhr. Der Weg ging auch 10 Minuten entlang der Eisenbahnlinie Dortmund - Bochum. Dampflokomotiven waren dort nun keine zu sehen. Irgendwann war auch die klleine Rangierlokomotive verschwunden, die ich als Kind oft am Bochumer Nordbahnhof von der Brücke am Blumenfriedhof beobachtet hatte. Der alte Wasserturm stand noch, als die Rangierlok schon längst durch eine Diesellokomotive ersetzt worden war.

Irgendwann im Alter von 17 oder 18 ging ich abends nach einem Besuch bei einem Kollegen, mit dem ich zusammen in der Lehre war, zu Fuß nach Hause. Der kürzeste Weg führte durch Altenbochum und aus der Kindheit hatte ich noch eine Abkürzung in Erinnerung. Der Weg ging über die Gleise, wo es östlich des Bochumer Hauptbahnhofes ein kleines Sägewerk gab. Zu dem Sägewerk war früher auch oft ein kleiner Güterzug gefahren. Das Gleis sah inzwischen unbenutzt aus, die Abkürzung nahm ich noch öfter, aber von Güterzügen und den kleinen Dampfloks, die einst zum Sägewerk fuhren, habe ich nie wieder etwas gesehen.

Ab 1972 interessierte ich mich für Fotografie. Nun wurden gelegentlich auch Fotos vom Fenster aus gemacht, zum Beispiel, wenn der Schienenreiniger früh morgens ausfuhr. Das Interesse an Fotos von Bussen und Bahnen kam aber erst um 1978, als ich mich intensiver mit Fotografie beschäftigte. Ich machte damals viele Fotos von Zechen, Stahlwerken, Stadt- und Industrielandschaften, weil der Umbruch im Revier bereits bemerktbar war und man ahnen konnte, dass bald viele alltägliche Dinge der Vergangenheit angehören würden.

Dampflokomotiven fuhren damals schon keine mehr, von Museumszügen abgesehen. Aber zu der Zeit fing ich an auch Straßenbahnen und Busse und Eisenbahnen zu fotografieren, weil ich nun wußte, daß auch die inzwischen meist modernen Fahrzeuge in 15, 20 oder 30 Jahren nur noch Geschichte sein würden.

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