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Erlebnisse : 90 Pfennig Wechselgeld
Geschrieben von Administrator am 04.03.2007 22:33)

Diese Geschichte habe ich nicht selbst erlebt, denn als sie sich ereignete war ich noch viel zu klein. Sie ist jedenfalls wahr und die wirklichen Namen von Straßenbahnfahrer und Schaffner verschweigen wir einmal diskret. Erzählt hat mir die Geschichte der Fahrer der Bahn.

Nennen wir den Fahrer einmal Willi und den Schaffner Max. Es war Anfang der 1960er Jahre, als Willi und Max mit einem der kleinen zweichachsigen Triebwagen nach Castrop-Rauxel fuhren. Damals endete die spätere Linie 6/16 noch in Castrop-Rauxel und auf dem "Bock" hinten saß noch ein Schaffner. Bei Hochbetrieb fuhren die Bahnen noch mit Anhänger, in verkehrsärmeren Zeiten fuhren die Triebwagen solo.

Damals gab es noch Fahrscheine für 10 Pfennige. Oder einen Groschen.

An der Haltstelle bei den Stahlwerken Bochum stieg ein Herr ein, der ein wenig feiner als andere Fahrgäste aussah und dieser Herr verlangte einen Fahrschein für 10 Pfennige, was auch damals nur wenige Haltestellen weit reichte. Während Max den Fahrschein vom Block abriß und mit der Zange entwertete, sagte der Herr:

"Ich bekomme dann noch 90 Pfennige zurück."

Max reichte dem Fahrgast den Fahrschein, dann drückte er die Taste des Geldwechslers, was sehr lange dauerte, dann suchte Max noch in dem Lederbeutel, in dem das Kleingeld war, das nicht in den Wechsler paßte.

Max zählte dem Fahrgast 90 einzelne Pfennige hin.

Der Fahrgast sah ein wenig entgeistert auf die 9 Stapel zu je 10 Pfennigen und dann entgeistert Max an. Dann sagte der Fahrgast "Was soll das?"

Max antwortete "Das ist ihr Wechselgeld, das Sie zurück haben wollten und zu bekommen haben." "Das sind ja 90 Pfennige", sagte der Fahrgast. "Ja, genau", meinte Max. "Sie hatten ja auch gesagt, Sie bekämen noch 90 Pfennige und da liegt genau das, was Sie wollten und jetzt wollen Sie das nicht?"

Die Fahrgäste in der Nähe amüsierten sich köstlich. Vielleicht reizte das den Fahrgast. Er steckte die 90 einzelnen Pfennige ein, obwohl Max ihm vielleicht doch noch 9 Groschen gegeben hätte, oder einen Fünfziger und 4 Groschen.

Einige Tage später mußte Max ins Personalbüro. Ein Fahrgast habe sich beschwert, daß er vom Schaffner auf den Arm genommen worden sei. Es soll einen Rüffel für Max gegeben haben, aber mit einem Augenzwinkern.


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